schraubenzieherPraktiker gegen OBI

Ich bin heute viel unterwegs gewesen und im Autoradio hatte ich, was selten bei mir vorkommt, einen Sender mit Werbung.
Da kam eine Werbung vom Praktiker-Baumarkt.
Vorab, ich habe mit Baumärkten wenig am Hut, ich kenne die Defizite an Beratung und auch an Qualität, aber ein Baumarkt ist nun mal kein Fachhandelsgeschäft. Auch herrscht unter den Baumarktketten ein erbitterter Kampf um Kunden, Kampf ist noch milde ausgedrückt, es sind Schlachten, die da geschlagen werden. Aber es sind Preisschlachten, keine Qualtitätsschlachten, wie diese Werbung wieder gezeigt hat. Es heißt ja auch, dass nicht alle Baumarktketten überleben werden und die Übernahme von Max Bahr durch Praktiker ist ja auch ein Hinweis darauf.
Die Radiowerbung sagte kurz gefasst: Regel Nr. 1 Praktiker ist billiger als Obi, Regel Nr. 2, sollte Obi billiger sein, als Praktiker, tritt Regel Nr. 1 in Kraft.
Abgesehen davon, daß dieser „Witz“ so alt ist, dass mein Urgroßvater, würde er noch leben, darüber nicht mal mehr schmunzeln würde, finde ich diese Form der Werbung aus 3 Gründen für beschissen schlecht.
1. Werbemäßig – wie gesagt, ein alter Hut, da scheint dem Werbemenschen nicht eingefallen zu sein (Erinnere mich an frühere Werbung von Obi „Die gibt es bei Eisen Karl oder bei Obi“, die Werbung hatte wenigstens was).
2. Ist, dass Paktiker angeblich billiger ist als Obi, das einzige Argument? Wie wär es denn mal mit „beraten besser als Xy, haben größere Auswahl als Xy, haben bessere Qualität als Xy, freundlichere Mitarbeiter als Xy, die hübscheren Mitarbeiterinnen“ was auch immer? Wirklich nur billiger, oder will man bewußt nur die Schnäppchenjäger ansprechen?
3. Finde ich Werbung gegen einen namentlich benannten Wettbewerber geschmacklos und das scheint für mich der Beweis, dass zum eigenen Geschäft nichts mehr einfällt, sondern nur zum Wettbewerber.

Eine Lanze für den Fachhandel: Der Fachhandel, kann nicht so billig sein, wie ein Baumarkt. Erstens hat er in der Regel bessere Qualitäten, Qualitäten für den Profi (Handwerker, die ihr Werkzeug im Baumarkt kaufen, naja, schweige ich besser). Das Personal ist geschult und kann beraten. Schulung kostet Zeit, die dem Geschäft dann fehlt und auch Geld.
Wie beispielsweise gestern. Dagmar war einen ganzen Tag zur Schulung neuer Produkte der Nilfisk-Alto Reinigungsgeräte, weitere Schulungen, teils mit weiter Anreise und Ubernachtungen folgen, das alles ist ein MUSS für den Fachhändler, nur so kann er seine Kunden optimal beraten. Und was für unseren regionalen Fachhandel gilt, daß gilt auch für unsere Onlineshops, da kann jeder anrufen, und sich beraten lassen, da ist am anderen Ende der Leitung kein Callcenter, kein reiner „Auftragsentgegenehmer“.

Abschließend ein Baumarktwitz, nicht mehr frisch, aus der Zeit der Ostfriesenwitze (bitte alle Ostfriesen um Entschuldigung):

Kommt ein Ostfriese in den Baumarkt, er will eine Leiter kaufen. Die zwei Verkäufer schlagen die Hände über den Kopf zusammen. Einfach so können wir dem keine Leiter verkaufen, wir müssen oben ein Stoppschild anbringen, sonst passiert was. Am nächsten Tag sehen die beiden den Ostfriesen wieder, Kopf verbunden, Arme gebrochen. „Oh Gott, was ist denn Ihnen passiert?“ „Ja,“ sagt der Ostfriese, „das war so: Ich klettere die Leiter rauf, oben kam ein Stoppschild, ich sah nach links, dann nach rechts, kam nichts…”