Hermes Versandservice ?

Vor einiger Zeit haben wir uns für den Hermes-Versandservice entschieden. Zuvor haben wir mit dem Paketdienst DPD zusammengearbeitet. Der Wechsel zu Hermes hatte einen besonderen Grund:  Hermes liefert auch am Sonnabend aus, ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei Privatkunden.
Der Versand klappt reibungslos, jedenfalls sind uns bisher keine Klagen zu Ohren gekommen.
ABER:
Ein Kunde fragte neulich, ob wir den Beitrag über „Hermes “ im Fernsehen gesehen hätten. Nein hatte ich nicht, als bekennender Fernsehmuffel sehe ich nur Sendungen, die ich zuvor ausgesucht habe und da kommen pro Woche nur sehr wenige Fernsehstunden zusammen. In dieser Sendung soll es um das Thema der Entlohung von Hermes-Fahrern gegangen sein. Die haben nämlich Selbständigen-Status und sind nicht angestellt. Mit anderen Worten: Kosten für den Wagen, Benzin, Reparaturen, Rücklagen,  Kfz-Steuer,Versicherungen usw. muß der Fahrer selbser tragen.
Dafür bekommt er laut Fernsehbericht die stolze Summe  70 Cent pro Tour. Noch einmal zum besseren Verständnis: Das Fahrer fährt uns an, liefert ein Paket aus und bekommt dafür  EURO 0,70 von Hermes. Nein, da habe ich mich nicht verhört, das wurde mir  bestätigt, in besonderen Fällen gibt es stolze EURO 0,90. Also nochmal 70 bis 90 Cent inklusive Paket schleppen und die haben manchmal schon ein heftiges Gewicht.
Mal nachgerechnet: Ein Fahrer, verheiratet, zwei Kinder. Ohne Kosten für das Fahrzeug  braucht er zum Leben für Wohnung, Essen, Kleidung, Ausbildung der Kinder, Krankenversicherung für die Familie als Selbständiger sagen wir EURO 2.000.
Er muß also im Monat 2.800 Auslieferfahrten machen, also bummelige 115 am Tag. Dann hat er aber noch kein Geld für das Fahrzeug. verdient.
Laut Tabelle ADAC belaufen sich die Kosten für einen Sprinter inklusive Wertverlust auf  mind. EURO 1.126,00. Macht unter dem Strich weitere 1.600 Auslieferungen im Monat nur um das  Fahrzeug finanzieren zu können (oder 64 Lieferungen am Tag).

Aufaddiert:  um 2.000 Euro für  den Lebensunterhalt für die Familie und 1.200 Euro für das Fahrzeug zu verdienen, muß der Fahrer  rund 4.500 Lieferungen im Monat schaffen und das  von Montag-Freitag. Ein echter Knochenjob.

Das ist kaum machbar. Laut Fernsehbericht bleiben dem Fahrer rund EURO 700,00/Monat, keinesfalls aber EURO 2.000,00.
Angeblich soll Herr Otto, denn Hermes gehört zum Otto-Imperium gesagt haben, man könne auch ordentlich bei Hermes (von EURO 700,00 ?)   leben.
Wenn diese Aussage stimmt, ist das in meinen Augen menschenverachtend, dumm und unverschämt. Oder man zieht die Nummer ab, dass über Hartz4 zugezahlt wird, also der Staat, letztendlich der Steuerzahler, den Gewinn von Otto mehrt.
Ich kann es kaum glauben.

Kommentare (12) Schreibe einen Kommentar

  1. Unfassbar und menschenverachtend. Ich werde keine einzige Sendung mehr mit denen verschicken. Die Sendung habe ich auch nicht gesehen, mal schauen, ob ich sie noch in der Mediathel finde…

  2. Lieber Michael,
    danke, dass Du das Thema hier aufgreifst. Ich habe die „ARD exklusiv Reportage“ gesehen und der gut recherchierte Bericht hat mich wütend gemacht. Da bekommt ein Postbote 60 Cent pro Paket und auf der anderen Seite steht Michael Otto – er zählt zu den reichsten Männer Deutschlands (16,6 Milliarden Dollar) und wird auch noch als Vorzeigeunternehmer für sein soziales und ökologisches Engagement gefeiert.
    Da ist unfassbar! Der Milliardär zeigte sich vor der Kamera hochnäsig – pfui!
    Es ist inzwischen unglaublich, wie die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderklafft – auch weil viele Konzerne Subunternehmen einsetzen.

    Trotzdem weiß ich keine wirkliche Lösung für das Problem. Auch ich bestelle Waren im Internet und kann mir oftmals den Paketdienst nicht auswählen. Wenn ich es mir ausssuchen kann, boykottiere ich Hermes, aber bei anderen Zustellern wird leider auch nicht viel besser bezahlt.

    Ich frage mich, wie es in unserer Gesellschaft weitergeht. Die Gier der Konzerne und der Manager frißt Seelen auf – die Wertschätzung für Menschen und die Arbeit die sie leisten, bleibt immer mehr auf der Strecke.

  3. Liebe Elita,

    genau das stört auch mich. Dass ein harter Preiskampf herrscht, ist bekannt. Aber wenn es dazu führt, dass sich ein Milliadär auf Kosten seiner Subunternehmer bereichert, ist das ein Skandal.
    Wenn zusätzlich Hartz4 von Fahren in Anspruch genommen werden muß, also der Steuerzahler Herrn Ottos Imperium subventioniert, ist seine gezeigte Arroganz unerträglich.

  4. Von einem Verwandten weiß ich, dass das tatsächlich stimmt. Er ist hauptberuflich selbstständiger Hausmeister und arbeitet dennoch größtenteils für Hermes, da er noch nicht viele Aufträge hat. Zwischen 400 und 700 EUR im Monat springen für 4-7 Stunden Arbeit täglich (Mo-Sa) raus.

  5. Hallo,
    ich kann diesen Bericht nur bestätigen,denn ich selbst fahre als LKW Fahrerin Nachts,die einzelnen Verteilstationen an.Leider muss ich dazu sagen,das nicht nur die Paketverteiler zu Dumpinglöhnen sich krumm machen müssen,auch wir LKW Fahrer sind mit 630 € Netto,für eine 6 Tage Woche,ohne Ausgleichstag und ohne Nachtzuschläge-die werden einfach ignoriert vom AG,äusserst schlecht bezahlt!Ich habe mich an Hermes persönlich gewandt,doch leider weist Hermes selbst alle Verantwortung von sich und das macht mich so wütend,denn ich schufte nicht selten Vollzeit und bekomme einen HARTZ4 Satz ausbezahlt.Wer sich nun fragt,warum ich dies mache,der fragt zu Recht..ich als Frau und alleinerziehende Mutter von 2 Kindern,möchte nicht auf Staatskosten leben,will meinen Kindern ein gutes Beispiel sein.Aber ich merke nur all zu oft,wie benachteiligt man gerade als Frau auch heute noch ist,dabei arbeite ich körperlich sehr schwer,denn ich lenke nicht nur den LKW sondern muss ihn ohne Hilfsmittel beladen und auch entladen und habe sehr oft starke schmerzen,verursacht durch die schwere köperliche Arbeit.Nicht involvierte Personen können nicht wissen,wie dies Arbeit aussieht,aber wir Fahrer ziehen bis zu 1000kg schwere Behälter in den LKW hinein und aus dem LKW heraus und schieben diese an ihre vorgesehenen Plätze im Lager.Hinzu kommt,das diese Behälter sehr oft kaputt sind,die Rollen haken oder sich gar nicht drehen und es extremster Kraftanstrengungen bedarf,um diese überhaupt in Bewegung zu setzen und das ist auch für meine männlichen Kollegen sehr anstrengend!
    Einfach gehen kann man auch nicht,denn dann würde man seinen Lohn nur über den Gerichtsweg einklagen können,da der AG von sich aus Zahlungsunwillig ist und das ist die Wahrheit!Letzendlich bleibt einem nichts anderes übrig als weiterhin dort zu arbeiten,bis man etwas anderes gefunden hat,doch ich als Frau,habe es besonderst schwer und nimmt mich niemand als LKW Fahrerin,weil ich die besagten Kinder noch im Schlepptau habe..es ist schlicht und einfach ein Teufelskreis und eine riesen grosse Sauerei von Hermes!

  6. Ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen Kommentar, der auch die Seite der LKW-Fahrer zeigt. Meine Hochachtung, dass Sie nicht einfach im Bett bleiben und Staatsknete kassieren, sondern diesem Mörderjob jede Nacht nachgehen.
    Mir geht es bei meinem Bericht die Doppelzüngigkeit von Michael Otto aufzuzeigen, der sich jetzt sogar feiern läßt, weil er bereit ist, höhere Steuern zu zahlen.
    Er sollte lieber seine Mitarbeiter anständig entlohnen und sich dafür feiern lassen. So ist er für mich ein scheinheiliger Wohltäter auf Kosten der Menschen, die für ihn
    hart, aber völlig unterbezahlt arbeiten.

  7. Das mit den pseudo-selbstständigen Fahrern, die von ihrem geringen Entgelt auch noch das Fahrzeug unterhalten müssen, hat Otto nicht erfunden, das haben UPS und DPD (u.a.) schon vorgemacht. Nur, dass bei denen kein konkreter Herr Otto vorhanden ist, auf den man mit dem Finger zeigen könnte, sondern eine undurchsichtige Finanzgruppenstruktur.

    Nun zu der Frage des Boykotts. Hilft es wirklich der „HERMESFAHRERIN“, wenn Hermes weniger zu befördern hat? Oder wenn wir den Firmeninhaber brandmarken (so sehr er es auch verdient hat)? Nein, ich denke, so ist das Problem nicht dauerhaft zu lösen. Das geht nur durch Gesetze und gewerkschaftliche Power. Dennoch ist es gut, das hier und anderswo aufzuzeigen. Immer wieder.

  8. Zum Boykott habe ich nicht aufgerufen. Mir ging es darum, die Doppelmoral aufzuzeigen, dass sich einerseits Herr Otto als Wohltäter feiern läßt, aber mit unglaublicher Arroganz das Thema der Kurierfahrer beiseite schiebt. Ein wenig Achtung vor seinen Leuten würde ihm gut zu Gesicht stehen. Gleichzeitig brüstet er sich damit, bereit zu sein, mehr Steuern zu zahlen.
    Auf auf, möge er doch anfangen, seine Fahrer besser zu bezahlen, die Leistung mit Geld zu honorieren, statt mehr Steuern zu zahlen.. Gesetze und gewerkschaftliche Power? Es handelt sich um Selbständige, da rührt die Gewerkschaft keinen Finger. Zu Ende gedacht, müßte es dann auch einen Mindestlohn für Selbständige geben, obwohl es sich ja im Grunde um eine Scheinselbständigkeit handelt, denn die Kuriere sind in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis von Hermes.

  9. Was ganz ausser Acht gelassen wird ist,Hermes selbst entzieht sich durch vergabe sogenannter SAT`s seiner Verantwortung,denn die SAT-Betreiber werden eigentlich sehr gut bezahlt,geben die Preise aber nicht weiter und da liegt das Problem.Bei diesen Sat Betreibern arbeiten dann vornehmlich scheinselbständige Fahrer,es gibt aber auch Fahrer im Angestellten Verhältniss und gänzlich unbeachtet werden die Leute in den Lagern,denn die bekommen für 6 Stunden,6 Tage die woche sage und schreibe 400€!!!Und es stimmt,denn es war bei mir ganz genau so..der sogenannte SAT Betreiber hat mir unverblümt mitgeteilt,ich solle bei der ARGE „aufstocken“was ich aber abgelehnt habe,allerdings weiß ich,das viele der Fahrer sich von der ARGE zusätzlich Geld holen und die gesammten Arbeiter aus dem Lager eigentlich HARTZ4 Empfänger,oder halt Rentner sind.Möglich macht das alles nicht Hermes,sondern unsere Augenwischerische Politik,die erst kürzlich wieder mit dem niedrigsten Arbeitslosenstand,seit Jahren sich selbst gefeiert hat,das aber ganz viele dennoch am Existenzminimum dahinkrepeln,trotz Arbeit,das wird verschwiegen.
    Ich bin persönlich nur noch von unserem Staat enttäuscht!
    DANKE an dieser Stelle,für den vielen Zuspruch,der mir zuteil wurde!

  10. Iczh sehe das auch so. Sich damit reinwaschen, wie Otto, dass man Aufträge zu normalen Preisen vergibt. Der Auftragnehmer dann Subunternehmer mit den Arbeiten zu unmöglichen Bedingungen beauftragt.
    Der neue Internetauftritt zeigt die Verlogenheit des Marketingleiters, dessen Aussagen in krassem Gegensatz zu den genannten Tatsachen stehen.
    Hier die Lachnummer :
    https://zusteller.hermesworld.com/die-kampagne

  11. Pingback: Zalando – steuersubventionierter Freudenschrei? | BauTime Blog

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